DIE SCHWEIZER JAZZLEGENDE GEORGE GRUNTZ SPRICHT ÜBER LUCAS HEIDEPRIEM

Lucas Heidepriems Biographie zeigt sich als ein Paradebeispiel für die dramatische Existenz dieses Künstlers. Aufgewachsen in der inspirativen Atmosphäre des Elternhauses, wurde er bereits jung als Schüler und Freund von Albert Mangelsdorff zum Hoffnungsträger der deutschen Jazz-Posaune. Nach bejubelten CD-Veröffentlichungen und Konzertreisen bis ins Jazz-Dorado New York blockierte quasi über Nacht eine Lippenerkrankung das Posaunenspiel. Erst jetzt und als geborenes Multitalent fing Lucas 1993 eine klassische Klavierausbildung an bei Erik Siefert (Musikhochschule Freiburg), die bald erstaunliche Früchte trug, und deren Reife jetzt vor uns liegt.

Im Panorama der weltweiten Piano-Elite nimmt Lucas mit seiner nachdenklich-tiefsinnigen, von großer improvisatorischer Freiheit geprägten Musik einen kultur-strategisch wichtigen Platz ein: sein Werk ist eine nach innen (kontemplativ) und nach
vorn (kontemporär) gerichtete Musik, was seine Wortschöpfung ‹contemplorary› sinngemäß erklärt. Sinnlichkeit als Ausdruck eines geistigen Bedürfnisses, im Jazz alltäglich über die Verwunderung, die jedem zusteht, der nicht nur nachplappert.

Weiter so, lieber Lucas! Diese Zeilen sollen ein kollegialer Liebesbrief sein, an Deine Arbeit, die mich sehr berührt. Und wie sprach Kant auch noch?: ‹Bewunderung ist die Verwunderung, die beim Verlust der Neugierde nicht aufhört.‹

George Gruntz

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